1.
Vorstellung
Thema: Kommunikationsguerilla
Kommunikation: Verständigung untereinander, Umgang, Verkehr; Verbindung, Zusammenhang
Guerilla: Kleinkrieg, den irreguläre Einheiten der einheimischen Bevölkerung gegen eine Besatzungsmacht oder im Rahmen eines Bürgerkrieges führen; einen Kleinkrieg führende Einheit
Kommunikationsguerilla: eine irreguläre Einheit, die mithilfe von Kommunikationsmedien und gängigen Kommunikationsstrategien einen Kleinkrieg gegen diejenigen führen, die aus Machtinteressen heraus, den „öffentlichen“ Raum besetzen und diesen für eigene Interessen ausnutzen
- Beuys: „Die Künstler sind die reaktionäreste Klasse. Im Grunde existieren keine Klasen mehr, doch die Künstler sind do reaktionär, dass sie praktisch von neuem eine Klasse bilden.“
Vorläufer
in der Kunst: Mail Art , Graffiti, Verbrechen als Kunst
- Beginn: 1919 durch M. Duchamps: verschickte die schnautzbärtige Mona Lisa-Postkarte; Kampagne als Anti-Kunst und gegen das Kunst-Establishment (gutes Beispiel für virales Marketing)
- Kreation eine Produktes (Kunst) und dessen Distribution/Verschickung per Post (sozialer Akt), statt der Distribution über die üblichen Kanäle des Betriebssystems Kunst (Galerien, Museen); bezieht veschiedenste Medien u. Materialien bei Produktion ein: Fax, Bücher, Postkarten, Briefmarken etc.
-
Doris
Bell (in Contemporary Art Trends 1960-1980): „Mail art helps overcome the
artist’s isolation, and the field of action is a continuous circle, repeatedly
transformed, with nothing final. A small universe, it incorporates
interpersonal cooperation and eliminates offical selection, hierarchical
attitudes, and evaluation of an artists’ work.”
- Ray Johnson als bekanntester Vetreter in den 50er Jahren in New York: provokante Aktionen gegen das Kunst-Establishment: Ausstellungsankündigungen in New York Times: Ray Johnson/ Nothing/ No Gallery“
- Sozialer Akt: Network/Netzwerk bildet sich (Mailing List); Partizipation, Ausweitung des Verständnisses der Autorenschaft
- Formale Eigenschaften: Wortspiele (Netotschka Nezvanova)
- Stedelijk Museum Amsterdam: Alexander Brener: Zerstörung der Kunstwerkes durch Aufsprühen eines grünen Dollarzeichens auf „Suprematismus 1922-27“ von Kasimir Melvich. Marina Grzinic: Kunstgeschichte ist voll von Zerstörungsakten, Aktion wendet sich gegen institutionalisierte Kunst (Kunst als Ware), und bringt dies zum Ausdruck durch eine Kunstaktion, gefolgt von einem Hungerstreik des Inhaftierten Brener.
- KarlHeinz Stockhausen: „der Anschlag auf das World Trade Center war das größte Kunstwerk, das in diesem Universum möglich ist“.
- nicht korrekt, da die Idee, die künstlerische Motivation das Wesentliche ist, das einen
Terrorakt von einem künstlerischen Akt unterscheidet, auch wenn alle anderen eigenschaften eines Kunstwerkes zutreffen: Aufmerksamkeit erregen, zum Nachdenken anregen etc.
- Ungewollt kriminell: Nach dem 11. September 2001 ist in den Staaten eine deutliche Zunahme von Überwachung im öffentlichen Raum spürbar: Studentisches Projekt: 37 Boxen mit der Aufscxhrift „Fear“ am Union Square Subway führten zu einem riesigen Polizeieinsatz und zur Festnahme des Kunststudenten Clinton Boisvert. Eigentlich sollten diese Skulpturen eine visuelle Umsetzung der spürbareen Angst sein, nicht diese provozieren.
- Nicht illegal, aber moralisch anfechtbar: kürzliche Goya- Übermalungen
Graffitti
Sowohl Brener als auch Biosvert beziehen sich in ihren Aktionen auf Graffiti, bei Brener ganz klar. Boisvert: Keith Haring zeichnete in den 80er Jahren bellende Hunde und tanzende Figuren und klebte die Zeichnungen auf unbenutze Werbetafeln in Ubahnstationen.
Graffiti meint: Wörter oder Zeichnungen, auf Wänden geritzt oder gemalt
Späte 60er: Julio 204 begann mit Tags in New York, gefolgt von Taki 183. Zeigt die Anwesenheit eines Sprayers, einer Community. Ursprünglich von Puetro Ricanern, AfroAmerikanern aus sozial schwachen Gegenden.
Piece oder „Burner“: Komplexere Graffitis.
70er und 80er Jahre in New York: Ubahnsystem war das Netzwerk, das System für Graffiti: Distribution durch fahrende Züge und großes Publikum im öffentlicher Raum
Wandel von einer Ausdrucksform einer unterdrückten Masse zum Mainstream: legale Flächen, Galerien (Keith Haring)
Community: gegen das Establishment kämpfen, Entwertung von Besitz durch Zerstörung oder Schändung.
Hacking Technical Borders
Ein Computervirus ist ein Programm, das sich von einem anderen Programm einverleiben läßt, dessen Aktvitäten es dann so steuert, dass es die Weiterverbreitung des Virus bewirkt, aber u.U. auch Dateien zerstört oder andere zerstörerische Vorgänge auslöst.
Vorgehen: Eindringen in fehlerhalft oder unzureichend programmierte, kommerzielle Software (Microsoft auf Platz 1)
„Viren sind ein Manifest der Genialität, Werke, die den
Namen ihrer Autoren in der Szene und in der Außenwelt projizieren, sich selbst
reproduzierende Wandgemälde mit der Fähigkeit zu reisen und vom Können ihres
Schöpfers zu kunden.“ Massimo Ferronato in „I LOVE YOU“ Katalog
“Programmierung nicht als Mittel zur Erzeugung von Kunst, sondern als Kunst an sich, bewerten nach Kriterien wie Schönheit, Eleganz, Proportion und Effizienz.“ S.o.
- „Viren sind die elektronische Form von Graffiti“, Virenschöpfer Hellraiser, Gruppe Pahlcon/Skism
- auf der Website wird der I LOVE YOU Virus vorgetragen von Franco Bifo Beradi
- Quellcode als neue Sprachform übt Fazsination aus (Ähnlichkeit zu experimenteller Poesie der frühen Avantgarde: Baudelaire, Rimbaud, Surrealisten)
- Motivation: Internet als eine Plattform horizontaler Kommunikation (freier Zugang – equal access, freies Austauschen von Information, ein nicht-kommerzialisierter Raum) bewahren, free software und open source als Gegenentwurf zu Microsoft
- wirft Frage auf nach dem Besitztum von digitalen Daten (z.B. Email), Copyright
biennale.py
2001: Python-Virus „biennale.py“ auf der Biennale in Venedig: hängt sich an .py und .pyw Dateien und verändert sie in biennale.py Dateien: kaum Schaden, Kritik: dringt nicht in die Wirklichkeit ein, sondern bleibt in dem Ghetto Kunst (wie Museum oder Galerie), weil Python die wenigsten installiert haben, Künstler: epidemiC (Kollektiv) und 0100101110101101.ORG (Künstler)
alledings: die meisten Viren bleiben in privaten Sammlungen, und werden nicht verbreitet
Hoax und Endringen in Überwachungssysteme: Bureau of Inverse Technology: “Bit Plane”
, VIDEO
Ein Hoax ist eine Art Virus, der keine Maschine infiziert, sondern den Menschen: „wie ein trojanisches Pferd in die Gefühlswelt einschleichen“ (Armin Medosch, Telepolis)
- 1988: „2400 baud modem virus“: erster Virus-Hoax
- 1994: „Goodtimes“: Virenwarnung: Festplatte löschen, breitete trotz Gegendarstellung in mehreren Sprachen aus
- „Internet-Cleaning Day“: 24 Stunden Internet Shut down: Rechner vom Netz nehmen, damit nicht zufällig falsche Daten gelöscht werden: Zitat “wie viele von Ihnen wissen, muss das Internet jedes Jahr einmal zur Säuberrung geschlossen werden”. Es ginge darum, das Netz von „toten Emails und inaktiven FTP-, Gopher- und WWW-sites“ zu säubern.
- rette krankes Kind, rette Leukemiekranke Ferundin mit Rückemark, Frauen unter dem Taliban-Regime
- Katzenkinder in Glasbausteinen
- Email Steuer in den USA
- Nike 2001: Sticken eines Schriftzuges in Turnschuhe: „Sweatshop“ abgelehnt: Emailkommunikation zwischen Nike und Besteller wird gepostet: enormer Imageschaden für Nike: Ausdehnung über das Netz hinaus in andere Medien (Zeitung, Radio, TV)
- Medien-Hack/Web-Hoax von Ubermorgen.com: Voteauction.com – Fake-Versteigerung von Wählerstimmen zur US-Präsidentenwahl: Domainsperrungen durch amerikanische Gerichte, 400 Zeitungsartikel und Fernsehberichte
- www.vote-auction.net
Kommerzielle Hoaxes (virales = auf einem Virus
basierendes Marketing)
- Virenwarnungen als Marketingtool für Antiviren-Software
-
„Irina“
Penguin Books: Electronic Publishing des interaktiven Buches Irina, Absender
war ein Professor Edward Prodeaux vom College of Slavonic Studies in London
- Epedemieartige Verbreitung, ähnlich wie bei einem Virus: Schneeballprinzip
- Objektive Schäden: Nachlassen der Produktivität, Verunsicherung der Emailempfänger, Beschäftigung mit Suche nach Virus
- Set von Voraussetzung: Virenhysterie, Angst vor Kontrollverlust, Unwissen der Email/Internetbenutzer, Community-Gefühl: Dabei sein, statt nur drin, Kommunizieren: ich mache mich nützlich und weiss Bescheid
- Folgt kommunikativen Regeln: Semiotische und semantische Schemata (Hinweis auf die Aktualität der Nachricht, persönliche Ansprache, einfache, Interesse weckende Betreffzeile), Tonfall, Schreibweisen (Grossbuchstaben), typografische Methoden (Ausrufezeichen), sollen Erregung, starke Gefühle (Angst, Entsetzen etc.) provozieren, ähnlich wie bei kommerziellem Email-Spam, eigentlich dadurch leicht erkennbar
- Motiv: Täuschung
- Motivation: Freude an der Macht, politisch, kommerziell, persönlich (Rache)
- Folgen: Viren stärken Immunsystem, Aufrechterhaltung der Skepsis, Abwehrkampf kann wie Doping wirken, schaffen Erregung und Aufmerksamkeit, Wachheit
- Web-Hoax von Etoy: Digital Highjack (Web-Hoax) Analyse von Suchmaschinen durch Bots, welche Suchbegriffe am häufigtsen Eingegeben werden und wie diese im Source Code von Websiten eingesetzt werden müssen, um im Ranking hoch oben zu liegen, Programmierung von Wesites, die entsprechend hoch im Ranking liegen, automatisches Refresh entführt die Besucher auf ganz andere Wesites und hält sie dort gefangen (1. Preis, Kategorie Netzkunst, Prix ars Electronica)
- Personene-Hoax von Netoschka Nezvanova: Kunstfigur aus Romanfragment von Dostojewski begann unter vesrchiedenen Usernamen auf Mailinglisten zu posten: Emails, die durch Buchstaben-Mixprogramme gelaufen zu sein scheinen, (Ersetzen von Zeichen durch ASCII Code), polemisch im Inhalt, provozierte hefigste Reaktionen: Flames, Ausschluss von Mailinglisten
- Vermeidung der üblichen Instanzen des Betriebsastems Kunst, Berühmtheit durch reine Kommunikation im Netz
- Email-Hoax: Auseinandersetzung zwischen dem Theoretiker Timothy Druckery und dem Netzkünstler und Literaten Mark Amerika
- Email-Hoax: Auseinandersetzung zwischen dem Netzaktivist und Theoretiker Geert Lovink und ICANN Spezialisten Ted Byfield
- Email-Hoax: angebliche Beschwerde über de Parteilichkeit/Bestechung des 5. Jurors bei der Ars Electronica bezgl. der Goldenen Nica an das Betriebssystem Linux